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Johann Strauss - Prinz Methusalem

30. November 2006

im Palais Lobkowits, Eroica-Saal

Eine konzertante Aufführung der Johann-Strauss-Gesellschaft anlässlich ihres 70. Geburtstages.

Die Musikschwerpunktklasse 8B übernimmt die (Haupt-)Rolle des Operettenchores.

"70 Jahre Wiener Johann Strauß-Gesellschaft":  PRINZ METHUSALEM - konzertante Aufführung einer eher unbekannten Strauß-Operette
(30.11. im Palais Lobkowitz)

Die Johann Strauß-Gesellschaft hat es sich zur Aufgabe gemacht, sämtliche Operetten des Walzerkönigs innerhalb einer relativ kurzen Zeitspanne auf die Bühne zu bringen - und sei es nur in konzertanter Form. Einige dieser Werke sind der Vergessenheit anheimgefallen, nicht immer ganz gerecht, aber manchmal doch verständlich. "Prinz Methusalem" zum Beispiel (1877 zwischen "Cagliostro in Wien" und "Blindekuh" entstanden) basiert auf einem indiskutablem Libretto. Es nennt sich "Märchen", also fragen wir nicht nach Logik und dergleichen. Strauß wusste zu retten, was zu retten war, komponierte einige wirklich zündende Musiknummern hinein (z. B. den "Banditengalopp"), aber das ganze Stück konnte auch er nicht nachhaltig für die Zukunft adaptieren. Peter Widholz, der Präsident der Strauß-Gesellschaft, macht aus der Not eine Tugend, indem er die Sprechtextstellen streicht, von einem Erzähler die Handlungsabläufe dem Publikum erklären lässt. Das ist notwendig, denn die Handlung ist sehr seicht (was übrigens auch bei einem Märchen zwangsläufig nicht sein muss). Der Erzähler, der legendäre Fernseh-Nachrichten-Sprecher Peter Fichna, entledigt sich dieser Aufgabe souverän, das Stück wird durch Widholz's Textbearbeitung verständlicher, die Handlung dadurch straffer. Instinktiv weiss der durchaus traditionsbewusste "Operettenbewahrer", wo Striche nötig sind. In keinem Fall im musikalischen Bereich. An den Musiknummern wurde nämlich nichts geändert, der Zuhörer erlebt die Operette praktisch in der Originalfassung.

Bisher war das Bemühen der Strauß-Gesellschaft durch das Fehlen eines Chores immer etwas gehandikapt. Durch eine glückliche Fügung unterrichtet Mag. Widholz, im Hauptberuf Lehrer, nun am Gymnasium Hegelgasse. Dort fand er grosse Unterstützung durch Direktion und Kollegenschaft, erstmals trat der Schulchor (nicht bloss der Schülerchor, denn das gesamte "musikalische Personal" - also auch die Musiklehrer - stellte sich in den Dienst der Sache) bei einer Veranstaltung der Strauß-Gesellschaft auf - und das war in mehrfacher Hinsicht ein Glücksfall. Der Eroica-Saal im ehrwürdigen Palais Lobkowitz war durch den "Anhang" der Choristen gesteckt voll, die Veranstalter brauchten diesmal gar nicht massiv in die Werbung gehen. Ein neues Publikum wurde dadurch erschlossen. Die Schüler und Schülerinnen waren mit Begeisterung bei der Sache (Einstudierung: Michael LANIK). Die musikalische Leitung war bei Margit FUSSI in kompetentesten Händen, die vom Klavier aus auch die zahlreichen Choreinsätze steuerte. Das "Klassische Operettenensemble Wien" befand sich diesmal in Hochform, allen voran das junge Liebespaaar Methusalem (eine "Hosenrolle") und Pulcinella. Die "Diva" des Ensembles, Anna RYAN, trumpfte "fast den Saal sprengend" mit ihrer herrlich aufblühenden Stimme auf, hatte diesmal in der neu zum Ensemble gestossenen Elfie HÖBARTH eine kongeniale Partnerin. In den Duetten der beiden Liebenden vereinigten sich beide Stimmen zu einem herrlich-sinnlichen Einklang. Das "Väterpaar" in dieser Romeo und Julia angeglichenen Handlung wurde von Friedrich Faltus und Johannes Föttinger (der den eigentlichen "Ohrwurm" des Stückes souverän servierte) gesungen, Peter WIDHOLZ war als obskurer Oberzeremonienmeister Trombonius - wie immer mit komödiantischem Talent und wunderschön timbriertem Tenor eine Luxusbesetzung. Peter HRNCIRIK aus der Professorenschaft des Gymnasiums Hegelgasse lieferte gleich in 2 kleineren Rollen gewissermassen als "Lokalmatador" einen gelungenen Einstand bei der Strauß-Gesellschaft und wohl eine Überraschung für die anwesende Elternschaft. Er wurde gebührend akklamiert.

Dank gilt auch der Direktion des BORG 1 - Hegelgasse, die diese gelungene Zusammenarbeit, die für die Zukunft hoffen lässt, ermöglichte. Der Zyklus der Strauß-Operetten wird nämlich fortgesetzt.

Anton Cupak