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Spatzenmesse im Salzburger Dom

10. Juni 2007

"Spatzenmesse" von W.A. Mozart
"Locus iste" von Anton Bruckner
 
im Salzburger Dom
ein Projekt der Musikschwerpunktklassen 6B, 7B und 8B

 


Mozart-Tradition in der h12

Engagierte Interpretationen geistlicher Musik in herausragenden sakralen Räumen

Sicher hat das damals bevorstehende Mozartjahr 2006 (250. Geburtstag des Meisters) bei der Auswahl der Missa brevis in C (KV 220) als zentrales Projektstück für unsere Musikschwerpunktklassen im Sommersemester 2005 mit eine Rolle gespielt. Im Vordergrund stand allerdings nicht so sehr ein konkreter Beitrag zum Mozart-Gedenkjahr als vielmehr die von jeglicher Jubiläumsmanie losgelöste, rein musikpädagogische Absicht, unsere Schüler mit einem kurzen, fröhlich-beschwingten, unkomplizierten Chor-Orchesterwerk zu konfrontieren, das schlicht durch seine meisterhafte kompositorische Faktur zu überzeugen und auch der Kirche Fernerstehende (nicht der geringste Teil der Schüler!) Schönheit und Reichtum unserer österreichischen sakralklassischen Musiktradition in unaufdringlicher Weise zu erschließen vermag - allesamt Vorgaben, die, wie sich bei der Probenarbeit sehr bald herausstellen sollte, die etwa 1775 entstandene, nach den charakteristisch zwitschernden Violinfiguren im Sanctus auch "Spatzenmesse" genannte Missa brevis in C für Soli, Chor, 2 Violinen, 2 Trompeten, Pauken, Bass und Orgel in geradezu idealer Weise erfüllt.

Die liturgische Aufführung in der Karlskirche (Mai 2005) und die konzertante Darbietung im Rahmen des Musikschwerpunkt-Konzertes in der Pfarrkirche Mariabrunn (Juni 2005) fanden allgemeinen Anklang, so sehr, dass wir an eine neuerliche liturgische Aufführung des Werkes am 21. Mai 2006 während einer Sonntagsmesse im Stephansdom - diesmal sogar mitten im Mozartjahr! - herangehen konnten. Diese Aufführung in unserer "Hauskirche" (die Hegelgasse gehört pfarrlich zum Dom!) fand große Beachtung nicht nur unter den zahlreichen Kirchenbesuchern und Freunden unserer Schule, sondern auch im diesbezüglich sicher kritischen Domkapitel, und stellte für unseren Schulchor so etwas wie eine erste große, erfolgreich bestandene Bewährungsprobe auf dem Gebiet liturgischer Musik an sprichwörtlich zentraler Adresse dar.

Mit einem solcherart in den Mozart-Stil eingesungenen Chor startete nun im Herbst 2006 - fast ist man geneigt zu sagen: folgerichtig - die Erarbeitung des Requiems in d-moll KV 626, jenes zeitlos schönen, legendenumrankten, unvollendeten, von Franz Xaver Süßmayr einfühlsam und pietätvoll ergänzten kompositorischen Vermächtnisses des großen Mozart, das in klassisch gerundeter und doch so eindringlich-visionärer Tonsprache als klanggewordenes "Memento mori" in ihrer Schönheit wie dramatischen Wucht erschütternde musikalische Meditationen über Leben, Tod, Vergänglichkeit und ein Leben "danach" Ereignis werden lässt, die alle mit Selbstreflexion begabten Musikfreunde fernab jeglicher Konfessionszugehörigkeit oder vordergründiger Kirchenfrömmelei unmittelbar anzusprechen vermögen. Ergänzt wurde diese Aufführung durch die Teilwiedergabe eines von Josef Tittrich (1882-1966) im klassizistischen Stil komponierten Johannes-Oratoriums (1923) für Soli, Chor und Orgel. Der komponierende Großvater unseres Direktors Dr. Michael Jahn hat uns bei der Erarbeitung seines "Opus magnum" insofern vor nicht geringe Probleme gestellt, als er nur eine handschriftliche (wiewohl gestochen geschriebene!) Klavierauszugpartitur (also keine Gesamtpartitur!) hinterließ, die für eine praktische Aufführung erst einzurichten war.

Das große Konzert fand am Abend des 1. Februar 2007 wiederum im Wiener Stephansdom statt. Der Dom war mit interessierten Zuhörern, die sich keineswegs nur aus dem Verwandten- und Freundeskreis der Schüler rekrutierten, erstaunlich gefüllt, der Applaus lang und herzlich, die Spendenkörbchen voll Geldes, der Dompfarrer voll Lobes, und es ist nicht zuviel gesagt, dass mit dieser insgesamt gelungenen Aufführung, die auch von kritischen Musikfachleuten ersten Ranges (etwa Dommusikus Mag. Thomas Dolezal) mit großem Lob bedacht wurde, unser Musikschwerpunktchor seinen Ruf als einer der ernstzunehmenden Schulchöre Wiens befestigt und sich an der hohen Wiener Metropolitankirche endgültig einen klingenden Namen erworben hat.

Die an Hintergrundinformationen zu beiden Werken näher Interessierten seien auf die Homepage unserer Schule verwiesen, über die eine Programmeinführung zum Domkonzert vom 1. Februar abrufbar ist.

Zwei Besonderheiten rund um den 1. Februar seien hier noch gesondert erwähnt: Längst mit den Probenarbeiten beschäftigt, waren wir noch vollends darüber im Unklaren, in welcher (nicht allzu kleinen und allzu kalten) Wiener Kirche unser winterliches Schwerpunktkonzert überhaupt stattfinden sollte. Dass es einmal mehr der Dom war, der uns hier entgegenkam, für uns an einem Winterabend höchst unattraktiven Kalenderdatums seine Pforten öffnete und uns "Heimat" gab (im Sinne von Karl Jaspers ist Heimat dort, wo man versteht und verstanden wird!), ist wahrlich keine Selbstverständlichkeit und erfüllt uns mit großer Freude, verpflichtet uns aber auch zu ergebener Dankbarkeit gegenüber dem hw. Herrn Dompfarrer Mag. Anton Faber und dem Kirchenmeisteramt. (Offenbar war der Eindruck, den die Spatzenmesse ein knappes Jahr zuvor in der Domkirche hinterlassen hat, kein ungünstiger.)

Ebenso keine Selbstverständlichkeit ist die Zusammenstellung eines unentgeltlich spielenden Orchesters, das nur zum kleineren Teil aus Lehrkräften unserer Schule, zum überwiegenden Teil indes aus schulfremden Volontären bestand, die mit einem Enthusiasmus, der seinesgleichen sucht, dieses Projekt mitgetragen haben. Es erschien kaum glaublich, für einen Tag so viele musikalische Idealisten mit entsprechender Spielqualität zusammentrommeln zu können. Diesen organisatorischen und logistischen Hochseilakt hat in vorbildlicher wie uneigennütziger Weise Kollege Ferdinand Aschenbrenner vollbracht, der kurze Zeit danach bei einem Motorradunfall schwerstens verunglückte. Herzlichen Dank an Dich, lieber Ferdinand, im Namen aller Lehrer und Schüler des Musikschwerpunktes, und beste Wünsche für die uneingeschränkte Wiedererlangung Deiner Gesundheit!

Dass für den 10. Juni 2007 noch eine Einladung der Salzburger Dommusik unter Domkapellmeister Prof. Janos Czifra an uns erging, Mozarts Spatzenmesse im überwältigenden sakralen Ambiente des Salzburger Domes zu Gehör zu bringen, gab unserem reichen Arbeitsjahr eine schöne Rundung. Mozarts liebenswürdige Missa brevis in ihrer duftig-federnden Leichtigkeit und feierlichen Eleganz am Ort ihrer Uraufführung zu singen, an einem der musikalischen Zentren Europas, ergänzt um eine schöne Wiedergabe des Bruckner'schen "Locus iste", war für alle Beteiligten ein herzerfrischendes Erlebnis. Rührend war die liebevolle Aufnahme und Betreuung, die uns Domkapellmeister Czifra hat angedeihen lassen und die wesentlich mit dazu beigetragen hat, diesen teils verregneten Junisonntag in der Mozartstadt nicht nur als musikalische, sondern auch als menschlich bereichernde Begegnung in uns nachwirken zu lassen.

Die für unseren Schwerpunkt denkwürdigen Mozart-Aufführungen in so prominenten österreichischen Sakralräumen wie der Wiener Karlskirche, dem Wiener Stephansdom und dem Salzburger Dom überschlagend, scheint es mir nicht unangebracht, von einer Mozart-Tradition zu sprechen, die der praktisch-musikalischen Arbeit an unserer Schule während der letzten Jahre ein besonderes Gepräge verliehen hat. Als Musiker und Lehrer, dem die Beschäftigung mit der kirchlichen Tonkunst seit jeher ein wesentlicher Teil des künstlerischen Arbeitens und Denkens bedeutet, bekenne ich mich gerne dazu, stolz auf unsere Schüler zu sein und betrachte die Möglichkeit der Mitbegründung und Mitgestaltung dieser Tradition an unserem Haus auch mit einer gewissen persönlichen Genugtuung: Es erfüllt mich mit Freude, an einer Schule tätig sein zu dürfen, deren Herz für die Kunst schlägt, einer Schule, in deren Aufweis ausreichender musikalischer Ressourcen wie zielorientierter Kooperationsbereitschaft ich den fruchtbaren Nährboden für die Realisierung derartiger Projekte erblicke.

Der Dank aller Musikerzieher des Hauses und aller am Zustandekommen dieser Aufführungen beteiligten Lehrerinnen und Lehrer gilt außer den schon Genannten Direktor Dr. Michael Jahn, der unseren Musikschwerpunkt immer wieder wohlwollend unterstützt und in seiner Schule eine stets zwangfreie, angenehme Arbeitsatmosphäre ermöglicht. Mag. Michael Lanik hat über das Musikalische hinaus heuer auch auf organisatorischem Gebiet Enormes geleistet. An dieser Stelle sei ihm verbindlichster Dank im Namen aller Mitbeteiligten gesagt.

Herzlicher Dank von uns Lehrerinnen und Lehrern an alle engagiert mitsingenden und mitmusizierenden Schülerinnen und Schüler! Kooperatives Ziehen Vieler an einem Strang setzt wesentliche Synergien frei, die Schönes, Gelungenes, Berührendes und Bleibendes erst ermöglichen.

Dem Musikschwerpunkt ein herzliches Vivat! Crescat! Floreat!

 
Peter Hrncirik
(Aus dem Jahresbericht 2006/07)